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Wissenswertes

Lebensversicherungsreformgesetz verabschiedet: Kunden müssen mit Einbußen rechnen

Erst kürzlich wurde der Leitzins auf einen historisch niedrigen Stand gesenkt. Das Thema niedrige Zinsen scheint mittlerweile an der Tagesordnung zu sein. Derzeit scheint Sparen out, Leben auf Pump in zu sein. Zahlreiche Menschen, die auf ihr Erspartes nur noch sehr geringe Zinsen erhalten, bekommen die aktuelle Entwicklung zu spüren. Auch für Lebensversicherer und deren Kunden könnte die Niedrigzinsentwicklung problematisch werden – der Bundestag hat jetzt das sogenannte Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) verabschiedet. Kunden müssen mit Einbußen rechnen.

Die Lebensversicherung – wohl eines der beliebtesten Anlageprodukte der Deutschen mit einer als „sicher“ geltenden Altersvorsorge. Doch die niedrigen Zinsen (mehr zum Thema hier) machen nicht nur Sparern, sondern auch den Lebensversicherern zu schaffen. Die Deutsche Bundesbank hatte in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2013 bereits auf die Problematik des Niedrigzinsumfeldes für Lebensversicherer hingewiesen und dieses in dem Bericht als „beachtliches Gefährdungspotenzial für die Stabilität von Lebensversicherern“ bezeichnet (den kompletten Bericht finden Sie hier).

Angesichts des Niedrigzinsumfeldes wurde am 04.06.2014 nun ein Regierungsentwurf zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte beschlossen: Das Lebensversicherungsreformgesetz – LVRG (mehr zu dem Gesetz hier auf der Webseite des Bundesfinanzministeriums). Während der Fußball-WM wurde es quasi im Eiltempo durch das Parlament gebracht: Betroffen von der Neuregelung sind Alt- und Neukunden.

Für bereits bestehende Verträge ergeben sich unter anderem folgende Änderungen:

Wer sich eine aktuelle Beitragsmitteilung ansieht, wird darauf unter anderem eine als „Garantiekapital“ oder ähnlich bezeichnete Position finden sowie einen Punkt „Überschussbeteiligung“. Aus Garantiezusage und Überschussbeteiligung ergibt sich die Gesamtleistung. Zur sogenannten Überschussbeteiligung zählen einerseits das vertraglich vereinbarte Überschusssystem sowie die sogenannten Bewertungsreserven („stille Reserven“). Letztere sind Kursgewinne aus Investments wie Aktien oder Immobilien, zum Großteil handelt es sich jedoch um festverzinsliche Wertpapiere (Anleihen). Bisher bekommen Versicherte zum Ende des Vertrages die Hälfte der Bewertungsreserven im Rahmen der Überschussbeteiligung ausgezahlt. Das Gesetz sieht vor, dass die Beteiligung der Kunden an diesen Bewertungsreserven bei festverzinslichen Wertpapieren gekürzt wird. Dadurch sollen die Garantiezusagen für die noch laufenden Verträge gesichert werden. Sind die noch laufenden Garantiezusagen also nicht gedeckt, wird die Beteiligung an den Bewertungsreserven gekürzt.
Nach Inkrafttreten des Gesetzes heißt das: Ein Kunde muss mit Einbußen bei seiner Auszahlungssumme rechnen.

Zur Überschussbeteiligung zählen auch die sogenannten Risikoüberschüsse (aus nicht benötigten Risikoausschüttungen). Hier wird die Beteiligung der Versicherungsnehmer von 75% auf 90% angehoben.

Für Neukunden ergeben sich ebenfalls Änderungen:

Die garantierte Verzinsung für Neuverträge wird ab 01. Januar 2015 von 1,75% auf 1,25% gesenkt. Wer ab diesem Zeitpunkt einen Vertrag abschließt, muss im Vergleich zu vor Inkrafttreten des LVRG also nicht nur mit geringerer Überschussbeteiligung rechnen, auch dessen garantierter Zins fällt niedriger aus.

Auch für Eigentümer bzw. für Aktionäre gibt es Einbußen, sollten die Garantiezusagen nicht mehr gedeckt sein. Dann sollen auch die Dividenden gekürzt werden. Heißt: Auch für Aktionäre werden Anteile an Versicherungskonzernen möglicherweise unattraktiver.

Wenn wie erwartet am morgigen Freitag (11. Juli 2014) auch der Bundesrat das LVRG abgesegnet hat, könnten viele Menschen das Niedrigzinsumfeld also nicht nur beim Sparen im Allgemeinen zu spüren kommen. Nun hat es auch mögliche Auswirkungen auf ihre Lebensversicherungsverträge. Ob das Gesetz das Vertrauen der Kunden in das Anlageprodukt Lebensversicherung stärkt, ist fraglich. Mögliche wäre auch, dass die Lebensversicherung auf der Beliebtheitsskala der Deutschen eher nach unten rutscht.

Mit dem Gesetz sind die Auswirkungen des Krisenmanagements rund um das Thema Euro wohl einmal mehr in den Geldbeuteln der Menschen angekommen.


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