Wissenswertes

"Ukraine - Sturmböen - der Markt hält" - Über die erstaunliche Widerstandsfähigkeit der Märkte

Auszug Smart Investor Weekly vom 20.08.2014 / Quelle: http://smartinvestor.de/

Schreck zum Wochenschluss: Vernichtet soll er worden sein, der russische Militärkonvoi, der sich über die Grenze in die Ukraine bewegt haben soll. So, allerdings nicht ganz so distanziert, tickerten es jene Blätter, die es in ihrer – Entschuldigung – Kriegsgeilheit gar nicht erwarten können, endlich gegen Russland „zurückzuschießen“ – zumindest mit der Tastatur aus vollklimatisierten Redaktionsstuben heraus. An den Börsen verfehlte die „Nachricht“, die keine war, im späten Freitagshandel dennoch ihre Wirkung nicht. Sie gingen erst einmal auf Tauchstation.

Schließlich sind den Marktteilnehmern über das Wochenende die Hände gebunden – Tage, in denen die Situation weiter unkontrolliert hätte eskalieren können. Da drückt man vorsichtshalber oder aber gleich aus blanker Panik auf den Verkaufsknopf. Wie so viele Meldungen der Kiewer Machthaber entpuppte sich auch der russische Militärkonvoi auf ukrainischem Boden als eine Geschichte, die vor allem für das kriegsunlustige Publikum im Westen erzählt wurde. Konkretes zum Vorfall konnte jedenfalls nicht ermittelt werden, weshalb sich für die angeblich eingedrungenen russischen Militärfahrzeuge der Begriff „Phantom-Konvoi“ herausgebildet hat. Die Frage, warum Putin die ohnehin säbelrasselnde NATO mit Nadelstichen provozieren sollte, blieb – wie schon bei früheren Schuldzuweisungen an den russischen Präsidenten – unbeantwortet.

Humanitäre Katastrophe
Nicht zu verwechseln ist der „Phantom-Konvoi“ mit dem höchst realen russischen Hilfskonvoi für die notleidende Bevölkerung in der Ost-Ukraine, die derzeit von den Kiewer Machthabern regelrecht massakriert wird. Am Maidan galt das Schießen auf die eigenen Leute ja noch irgendwie als unfein, obwohl man sich bis heute nicht sicher sein kann, wer da eigentlich geschossen hatte. Russland schickte also einen Hilfskonvoi um die humanitäre Katastrophe in der Region zu lindern. Nebenbei war das auch eine schöne Marketingaktion, mit der sich Präsident Putin von seiner guten Seite zeigen konnte. Die aber will in den westlichen Führungsgremien und Leitmedien derzeit niemand sehen. Vielmehr unterstellte man, bei dem Konvoi handle es sich um eine Art trojanisches Pferd mit einer heimlichen Invasionsarmee – schlichte Gemüter. Als sich herausstellte, dass es sich tatsächlich um Hilfsgüter handelte, verlor der Vorgang für die hiesigen Meinungsmacher sofort an Interesse. Aus der Sache ließ sich kein Anti-Putin-Kapital mehr schlagen. Im Gegenteil, der Hilfskonvoi wirft unmittelbar die beschämende Frage auf, was denn die Kiewer Führung an humanitärer Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung im Osten des eigenen Landes auf die Beine stellt?! Der Artillerie- und Raketenbeschuss von Wohngebieten zählt außerhalb der „westlichen Wertegemeinschaft“ ausdrücklich nicht zur humanitären Hilfe. Und wo bleiben eigentlich die allfälligen Spendensammel-Sondersendungen des deutschen Staatsfunks für die unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen der Ost-Ukraine? Fehlanzeige. Die Menschen dort wissen inzwischen sehr genau, was sie vom Westen und dessen neuen, teils stramm rechten Kiewer Freunden zu erwarten haben. Nichts, bestenfalls. Deshalb fliehen sie aus den umkämpften Gebieten zu Hunderttausenden(!) auch nicht etwa in Richtung Kiew oder EU, sondern nach Russland – ins dunkle Reich von „Wladimir, dem Schrecklichen“.

 

Den kompletten Smart Investor Weekly können Sie hier lesen.

Quelle: http://smartinvestor.de/

 

Mehr zum Thema Ukraine hier in einem Video-Interview vom Mai 2014 mit dem Smart-Investor-Redakteur Ralph Malisch:

Mehr Video-Interviews finden Sie in unserer Mediathek.

 

 

 

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