Wissenswertes

Dammbruch oder Kapitulation? - Massiver Kurssturz bei Edelmetallen

Auszug Smart Investor Weekly vom 22. Juli 2015 / Quelle: smartinvestor.de

 

40 Sekunden, 25 Jahre - Es dauerte ganze 40 Sekunden, danach war die Welt für Edelmetallanleger eine andere. Rund 60 USD/Feinunze stürzte der Goldpreis in der Nacht zum Montag im dünnen asiatischen Handel ab. Bereits am Freitag hatte sich der Preis der Feinunze gefährlich weit in den Unterstützungsbereich zwischen 1.130 USD und 1.140 USD gebohrt. Auch bei den Edelmetallaktien verdüsterte sich die Situation praktisch täglich.

Exemplarisch zeigt dies der Chart des Minengiganten Barrick Gold Corp. (Abb. 1, rot-grüner Balkenchart). Von Tag zu Tag beschleunigte sich der Abverkauf unter gigantischen Umsätzen. Neben dem Chart von Barrick Gold ist in Abb. 1 zusätzlich der Verlauf des Goldpreises eingezeichnet (obere dunkelblaue Linie). Beide Kurse haben ihre bis dahin gültigen Unterstützungsniveaus nach unten durchbrochen. Sieht man genauer hin (Abb. 1, blaue vertikale Linie), dann zeigt sich, dass Barrick Gold bereits Tage vor dem Goldpreis nach unten ausbrach (gelbe Markierungen). In der aktuellen Abwärtsbewegung tritt der Vorlauf der Minenaktien also in besonders augenfälliger Weise zu Tage.

Woher dieser Vorlauf kommt, darüber kann man spekulieren. Eine Ursache für die stärkeren und oft auch schnelleren Bewegungen liegt im Hebel der Minenaktien auf die jeweiligen Rohstoffpreise. Wesentlicher Einflussfaktor ist hier nämlich die Differenz(!) zwischen Rohstoffpreis und Förderkosten – eine Größe, die deutlich stärkeren Schwankungen unterliegt als der Rohstoffpreis selbst. Der Vorlauf der Minen kann bei der Analyse der aktuellen Situation von Nutzen sein. Denn beide Charts sehen sich zwar ähnlich, weisen aber  auch einige gravierende Unterschiede auf: Während es beim Gold eher nach einem frischen Ausbruch aus einer bis dahin etablierten Unterstützung aussieht, zeigt Barrick Gold bereits Anzeichen eines echten Sell-Offs. Wie Oliver Groß vom Börsendienst „Der Rohstoff-Anleger“ auf Nachfrage von Jochen Staiger (Rohstoff-TV) ausführte, fiel der größte Goldproduzent der Welt damit auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren! Florian Grummes von Midas Touch Consulting hält an seinem, bereits seit zwei Jahren verkündetem Kursziel von 1.035 USD bis 980 USD/Feinunze weiter fest. Nach Grummes Einschätzung sehen wir gerade die Kapitulationsphase. Der „finale Ausverkauf“ sei nun im Gange. Wann dieses Kursziel erreicht werde, lasse sich nicht bestimmen. Wir wagen die Prognose, dass sich der finale Boden zuerst bei den (großen) Minenunternehmen zeigen wird – begleitet von Skepsis, weil Gold und Silber selbst in dieser Phase noch nicht vergleichbar konstruktiv aussehen werden.

 

Den kompletten Smart Investor Weekly 30/2015 können Sie hier weiterlesen.

Quelle: smartinvestor.de

 

Dimitri Speck
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